Zukunft

Nachhaltige Wasserkreisläufe im Firmengebäude – Abwassernutzung im Life-Science-Sektor

4 min Carolin Schächterle

Die Grundlage allen Lebens auf der Erde ist Wasser. Doch dieses Element ist eine begrenzte Ressource – insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels – und daher wird der nachhaltige Umgang mit ihr immer wichtiger. Das gilt nicht nur für private Haushalte, sondern auch für Unternehmen. Besonders für solche in Industrien, darunter auch die Life-Science-Branche, wo Wasser eine doppelt wichtige Rolle spielen kann.

Auf der einen Seite wird in Firmengebäuden Trinkwasser für Sanitär und Kantine verbraucht, auf der anderen Seite benötigt man es für die Kühlung von Geräten, Reinigungsprozesse und Produktion. Doch wie geht eine nachhaltige Wassernutzung? Ein Ansatz: Das wertvolle Gut sollte möglichst e?izient eingesetzt und mehrfach genutzt werden. Die gute Nachricht: Zahlreiche führende Unternehmen haben dies bereits zu einem festen Bestandteil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie gemacht.

Das Abwasser darf noch eine Runde drehen

Besonders gut lässt sich so etwas umsetzen, wenn der Wasserkreislauf bereits beim Neubau eines Firmengebäudes in der Art geplant wird, dass Abwasser nicht einfach verloren geht, sondern sinnvoll wiederverwendet wird. Die Ziele: Schonung der lokalen Wasserressourcen und zugleich ökonomische Vorteile. Zentraler Fokus ist dabei die Nutzung von Abwasserströmen im Gebäude, anstatt das Wasser gleich in die Kanalisation abzuführen. Hier haben sich bereits einige Möglichkeiten bewährt:

  • Grauwasser-Recycling: Als Grauwasser bezeichnet man gering verschmutztes, fäkalienfreies Abwasser, wie etwa aus Handwaschbecken. In der Regel bestehen Grauwassernutzungsanlagen aus funktionalen Elementen, die das Abwasser sammeln, entsprechend behandeln, gegebenenfalls speichern und das nun als Betriebswasser bezeichnete Ergebnis wieder verteilen (1). Dieses Betriebswasser ist hygienisch unbedenklich, hat aber keine Trinkwasserqualität. Es steht für eine weitere Verwendung bereit, wie zum Beispiel für die Toilettenspülung oder die Bewässerung von Grünanlagen (2).
  • Nutzung von Regenwasser: Dieses fällt, dem natürlichen Kreislauf folgend, vom Himmel, kann gesammelt und braucht nur wenige Aufbearbeitungsschritte, um es als Betriebswasser zu nutzen, zum Beispiel für die Toilettenspülung oder zum Bewässern von Grünflächen (3). Als Trinkwasser ist es jedoch nicht geeignet. Auch sollte über eine Dach- oder Fassadenbegrünung nachgedacht werden. Das Regenwasser wird in den Pflanzen als auch in darunterliegenden (Substrat-)Schichten gespeichert. Positiver Nebeneffekt: Die Flüssigkeit verdunstet über die Pflanzen, wodurch die Umgebungstemperatur gesenkt wird. Dies trägt besonders in heißen Sommermonaten zur Gebäudekühlung bei.
  • Geschlossene Kreislaufsysteme: Dies geht über Grau- und Regenwassernutzung hinaus und bedeutet, möglichst alle Abwasserströme zu erfassen, aufzubereiten und wiederzuverwenden. Ein US-amerikanisches Klinikgebäude hat dies umgesetzt und ist so in der Lage, durch eine spezielle Anlage rund 65% des gereinigten Wassers wieder im Gebäude zu nutzen (4). Wichtig ist bei dieser Variante im Life-Science-Bereich, dass hier vorher eventuelle Rückstände von Chemikalien oder Nährlösungen entfernt werden.

Vorteile für Umwelt, Geldbeutel und Image

Die Wiederverwendung von Abwasser im eigenen Firmengebäude bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich – neben ökologischen Verbesserungen natürlich auch finanzielle Einsparungen. Denn schließlich benötigt man unterm Strich weniger frisches Trinkwasser, wenn das Wasser zweimal genutzt wird. Dies schützt natürliche Wasservorkommen. Und reduziert die Menge an Abwasser, welche ins Klärwerk gelangt. Auch die sogenannten Mikroverunreinigungen, wie zum Beispiel Spuren von Chemikalien, werden im Idealfall bereits in den internen Anlagen entfernt. Da der Frischwasserbezug durch die oben genannten Maßnahmen reduziert würde, ließen sich so auch die Betriebskosten senken, was in Anbetracht der steigenden Wasserpreise ein weiterer Vorteil für die Unternehmen wäre. Davon würden besonders Betriebe mit hohem Wasserverbrauch profitieren. Falls also ein Neubau geplant ist, sollte man sich im Vorfeld zum Thema Nachhaltigkeit von entsprechenden Stellen beraten lassen. Zwar fallen auf den ersten Blick hohe Investitionskosten an, doch diese gleichen sich angesichts der Lebensdauer des Gebäudes und durch die laufenden Einsparungen aus.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Image der Unternehmen, denn ein nachhaltig bewirtschafteter Wasserkreislauf untermauert die Ziele des Unternehmens. Es zeigt, dass es die Schonung natürlicher Ressourcen ernst nimmt und innovative Lösungen einsetzt. Mitarbeitende identifizieren sich mit einem Unternehmen, welches sichtbar auf Umweltfreundlichkeit setzt und auch für die Mitarbeitergesundheit kann es Vorteile haben. Warum? Nun, durch die Verwendung von Regenwasser für die nachhaltige Gebäudekühlung und Begrünung wird das Mikroklima verbessert. Darüber hinaus erhöhen solche Maßnahmen oft den Wert der Immobilie selbst: Auszeichnungen für nachhaltige Firmengebäude können die Attraktivität für zum Beispiel Investoren steigern. Kurzum: Die Abwassernutzung ist eine Win-win-Situation für Umwelt und Unternehmen.

Quellen:

(1) Grauwassernutzungsanlagen: Planung und Umsetzung | Haustec

(2) Grauwasser: Definition, Recycling & Sparpotenzial | co2online

(3) Regenwassernutzung für Gewerbeprojekte | INTEWA GmbH

(4) Water-reuse-in-HC_CLove.pdf

Die Autorin

Inga von Behrens ist Mitarbeiterin beim LSR-Mitgliedsunternehmen Promega GmbH.

Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe: Nachhaltigkeit in der IVD- und LSR-Branche - wie kann eine Branche, die sich der Gesundheit verschrieben hat, gleichzeitig auch ihren Fußabdruck senken?