Zukunft

Nachhaltigkeit gestalten: So treibt der VDGH den Wandel in der Diagnostik voran

5 min Carolin Schächterle

Illustration eines Tempels mit sechs Säulen, die zentrale Aspekte der Nachhaltigkeit symbolisieren. Das Dach trägt die Aufschrift „Klimaneutralität bis 2045“. Die Säulen stehen für: Abfallreduktion, Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung, unbedenkliche Chemikalien, saubere Lieferketten und Arbeitsplätze/Integration. Die Basis des Tempels ist mit „Ökonomische Nachhaltigkeit“ beschriftet. Links steht ein Baum mit dem Titel „Ökologische Nachhaltigkeit“, rechts sind zwei Personen zu sehen, die sich an den Händen halten, mit dem Titel „Soziale Nachhaltigkeit“.
Bild: VDGH

Wie kann eine Branche, die sich der Gesundheit verschrieben hat, gleichzeitig auch ihren ökologischen Fußabdruck senken? Der VDGH stellt sich dieser Herausforderung und hat Nachhaltigkeit sowie Umweltschutz seit über zwei Jahren zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht.

 

Mit der Gründung des Referats Umwelt und Nachhaltigkeit wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht, der den Fokus auf Nachhaltigkeit in der IVD- und LSR-Branche deutlich erhöht hat. Seitdem treibt der Verband Initiativen voran, die die IVD- und LSR-Branche zukunftsfähig machen sollen.

Die Non-Profit-Organisation „my green lab“ schätzt, dass der Gesundheitssektor für etwa 4-5 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist - Tendenz steigend. Die Gesundheitsindustrie hat die Aufgabe, die Gesundheit der Menschen zu fördern. Gleichzeitig muss sie aber auch ihren ökologischen Fußabdruck minimieren. Deshalb sind sich alle Beteiligten einig, dass die Gesundheitsbranche einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten sollte. Auch die IVD- und LSR-Branche möchte diesen Weg mitgehen. Hierfür sind Strategien notwendig, um die Branche zukunftsfähig zu machen. Der VDGH hat sechs zentrale Handlungsfelder definiert, in denen die IVD- und LSR-Branche einen Beitrag leisten kann und will. Hierzu zählen Abfallreduktion, Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung, unbedenkliche Chemikalien, saubere Lieferketten sowie Integration am Arbeitsplatz. In unterschiedlichen Projekten befasst sich die Branche gezielt mit diesen Themen.

Branchenlösungen

Nachhaltigkeit gelingt am besten gemeinsam. Der VDGH entwickelt deshalb Konzepte, von denen die gesamte Branche profitiert. Einer der Schwerpunkte liegt auf der Implementierung der Kreislaufwirtschaft, um wertvolle Ressourcen zu schonen und die Umweltbelastung zu verringern. Hierzu werden Strategien und Konzepte entwickelt, die den Unternehmen praktische Wege aufzeigen, wie sie Verpackungen vermeiden oder Ressourcen effizienter nutzen können.

Ausbau von Netzwerken

Ein enger Austausch mit Laboren spielt eine zentrale Rolle, um gemeinsam an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten. Durch gezielte Kooperationen und regelmäßige Dialoge soll zukünftig der Wissensaustausch über Best Practices und innovative Ansätze zur nachhaltigen Laborgestaltung intensiviert werden. Ziel ist es, die Wünsche der Labore (Kunden) zu kennen und nach Möglichkeit umzusetzen: Von energiesparenden Geräten bis hin zu ressourcenschonenden Arbeitsprozessen. Dieser Austausch bietet Unternehmen wertvolle Unterstützung und konkrete Handlungsimpulse, um ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und die Branche insgesamt ökologisch zu verbessern.

Konkrete Hilfe für Unternehmen

Mit einem umfassenden Guidance-Dokument unterstützt der VDGH Unternehmensleitungen und Nachhaltigkeitsbeauftragte bei der Umsetzung. Dieses Dokument bietet Orientierung und konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen. Dazu kommen Informationsveranstaltungen, auf der Experten und Branchenvertreter über aktuelle Entwicklungen und Best Practices bei der nachhaltigen Transformation und in nachhaltigen Laboren diskutieren. Einer Auftaktveranstaltung sollen in Zukunft weitere folgen, etwa zum Thema Kreislaufwirtschaft.

Nachhaltigkeit in den Diagnostica- und LSR-Unternehmen – Wo steht die Branche?

Was wissen die Mitgliedsunternehmen des VDGH über Nachhaltigkeit? Wie groß ist ihr ökologischer Fußabdruck, und wo ihr Einsparpotential? Und vor allem: Was tun die Unternehmen bereits, über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, um nachhaltiger zu werden? Um dies herauszufinden, hat der VDGH seine Mitglieder in zwei gezielten Umfragen zu diesem Thema befragt. An der ersten Umfrage, die an den gesamten Verband adressiert war, nahmen 24 Unternehmen teil. An der zweiten Umfrage, die innerhalb der Arbeitsgruppe "Transformation und Kreislaufwirtschaft" durchgeführt wurde, nahmen 13 Unternehmen teil. Während sich die erste Umfrage primär auf die Ermittlung des Kenntnisstands der Unternehmen sowie die Wahrnehmung und Bewertung des Nachhaltigkeitsthemas innerhalb der Branche fokussierte, kartierte die zweite Umfrage den aktuellen Status der Unternehmen, einschließlich der Aktivitäten im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit. Diese Erhebungen verdeutlichen nicht nur den Kenntnisstand und das Engagement der Unternehmen, sondern werfen auch ein Schlaglicht auf die Potenziale und Herausforderungen der Branche.

 

Die Ergebnisse:

Kenntnisstand im Bereich Nachhaltigkeit

  1. KMU: Über 80 Prozent fühlen sich gut bis sehr informiert.
  2. Großen Unternehmen: Ca. 60 Prozent fühlen sich gut informiert.

Nachhaltigkeitsmanagement

  1. Ca. 50 Prozent der Unternehmen haben einen Nachhaltigkeitsbeauftragten.
  2. Ca. 33 Prozent verfügen über eine eigene Nachhaltigkeitsabteilung.
  3. Größere Unternehmen sind insgesamt besser aufgestellt
  4. Mehr als 50 Prozent der Unternehmen haben bereits einen Beauftragten oder ein Management implementiert - bei einigen Unternehmen befindet sich das Management im Aufbau.

Ökologischer Fußabdruck

  1. Über 50 Prozent der Unternehmen – vor allem KMU, sehen Kunststoffe und Abfall als größten Einflussfaktor
  2. Energie wird ebenfalls, v. a. von größeren Unternehmen als wesentlicher Faktor bewertet.
  3. Chemikalien tragen bei 10–40 Prozent der Unternehmen bedeutend zum Fußabdruck bei.

Einsparpotenzial

  1. Trotz der hohen Relevanz von Kunststoffen und Abfall wird hier wenig Einsparpotenzial gesehen.
  2. Größtes Einsparpotenzial liegt laut über 50 Prozent der Unternehmen im Bereich Energie.
  3. Bei Chemikalien wird kein Einsparpotenzial erkannt.

Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit

  1. 80 Prozent der befragten Unternehmen haben (teilweise) auf erneuerbare Energien umgestellt.
  2. Ca. 60 Prozent haben Produkte im Sinne der Nachhaltigkeit optimiert.
  3. Ca. 60 Prozent betreiben Nachhaltigkeitskommunikation.
  4. Über 50 Prozent haben Nachhaltigkeitsstrategien und -pläne etabliert.
  5. Über 50 Prozent erfassen ESG-Kriterien (ökologische, soziale und Governance-Standards).

Verbesserungspotenzial besteht bei:

  1. Teilnahme an Förderprogrammen und Netzwerken
  2. Durchführung von Wesentlichkeitsanalysen
  3. Anwendung von ISO-Normen

Die Ergebnisse zeigen: Die Branche ist auf einem guten Weg, doch es bleiben Potenziale. Der VDGH wird diesen Weg gemeinsam mit seinen Mitgliedern weitergehen, um Innovation, Gesundheit und Klimaschutz zu verbinden.

Die Autorin

Sandra Wagener leitet im VDGH das Referat Umwelt und Nachhaltigkeit und unterstützt Mitgliedsunternehmen bei der nachhaltigen Transformation.