Zukunft

Nachhaltigkeit in der Life-Science-Branche: Wege zur Circular Economy und zu ressourcenschonenden Innovationen

Carolin Schächterle

Die Life-Science-Branche treibt den wissenschaftlichen Fortschritt in den Lebenswissenschaften maßgeblich voran und trägt entscheidend zur Verbesserung unserer Lebensqualität bei. Doch jede Person, die bereits in einem Labor gearbeitet hat, kennt auch die Herausforderungen: etwa den hohen Einsatz von Einwegprodukten und die damit verbundenen Abfallmengen und Verpa-ckungen. Wie also lässt sich also Nachhaltigkeit in einer Branche umsetzen, die auf höchste Qua-litäts- und Sicherheitsstandards angewiesen ist?

Ein vielversprechender Ansatz ist es, die Prinzipien der Circular Economy gezielt zu nutzen, um Ressourcen entlang des Lebenszyklusses eines Produktes zu schonen und gleichzeitig die Innovationskraft zu erhalten.

Dieser Artikel gibt einen praxisnahen Überblick darüber, wie Unternehmen der Life-Science-Research-Branche nachhaltige Strategien entwickeln und umsetzen – mit besonderem Fokus auf die Optimierung von Verpackungen und Laborverbrauchsmaterialien.

 

Circular Economy in der LSR-Branche: Herausforderung und Chance zugleich

Die Umsetzung von Circular Economy in unserer Branche ist komplex, auch bei Eppendorf. Seit den 1960er Jahren sind Bedarf und Nutzung fossiler Rohstoffe überproportional gestiegen – so auch bei Einwegartikeln wie z. B. Pipettenspitzen und Reaktionsgefäßen, die höchste Qualitätsstandards erfüllen müssen. Diese Produkte erleichterten jedoch gegenüber. der Nutzung von Glasware kontaminationsfreies und reproduzierbares Arbeiten (siehe auch unseren Artikel vom 14.12.2023).

Circular Economy bedeutet, Produkte so zu gestalten, dass deren Herstellung möglichst von der Nutzung fossiler Primärrohstoffe entkoppelt werden kann, also Ressourcen insgesamt geschont, lineare Geschäftsmodelle aufgebrochen und Material- und Produktkreisläufe geschlossen werden. Das Ziel besteht darin, den Wert von Materialien & Produkten möglichst lange zu erhalten – ein bedeutender Beitrag zu Klima- und Biodiversitätsschutz sowie der Zukunftsfähigkeit der Branche an sich.

Beim nachhaltigen Produktdesign sollten emotionale und faktische Nachhaltigkeit miteinander gut abgewogen werden. Die größten Hebel zur Verringerung von negativen Umwelteinwirkungen und Nutzung von Businesspotenzialen werden erst mit der Lebenszyklusanalyse sichtbar.

 

Praxisbeispiel: Wesentlichkeitsanalyse als Kern nachhaltiger Unternehmensführung bei Eppendorf

Viele Unternehmen haben inzwischen erkannt, dass Ressourcenschonung und Klimaschutz zentrale Bestandteile ihrer Unternehmensstrategie sein sollten. Auch Eppendorf hat diese Kriterien in seine Unternehmensstrategie mit integriert – mithilfe einer doppelten Wesentlichkeitsanalyse, die sowohl die ökologischen Auswirkungen als auch die wirtschaftlichen Chancen und Risiken bewertet.

So sind unsere Ressourcenstrategien für Verpackungen und Labor‐Verbrauchsartikel aus einem iterativen Stakeholdermanagement-Prozess erwachsen:

  • Umfeldanalyse: Zu Beginn haben wir uns mit einer internen und externen Umfeldanalyse einen ersten Überblick verschafft. Das hat uns geholfen, eine grobe Struktur zu skizzieren und erste Zielrichtungen zu formulieren. Gemeinsam haben wir geschaut, wie für Eppendorf relevante externe und interne Stakeholder, wie z. B. andere Unternehmen mit dem Thema umgehen – und welche Erwartungen von Regulierungsbehörden, Rating-Agenturen und unseren Kundinnen und Kunden an uns herangetragen werden.
  • Cradle to Grave: Bei der Entwicklung unserer Ziele haben wir nicht nur die Verpackungen und Produkte selbst in den Blick genommen, sondern bewusst den gesamten Wertschöpfungsprozess einbezogen. Uns war wichtig, auch vorgelagerte und nachgelagerte Prozess- und Logistikschritte mitzudenken – immer mit dem Ziel, mögliche Hebel zur Ressourceneinsparung ganzheitlich zu identifizieren.
  • Stakeholder-Engagement: Um realistische und verbindliche Ziele zu entwickeln, hat unser Kernteam Gespräche mit Expertinnen und Experten aus allen relevanten Bereichen geführt. So konnten wir ein gemeinsames Verständnis für Ambitionen und Machbarkeit schaffen. In Kooperation mit den Stakeholdern wurden in einem iterativen Prozess harmonisierte, SMARTe Ziele mit klaren Verantwortlichkeiten und Zeitlinien entwickelt.
  • Monitoring & Transparenz: Damit unsere Erfolge messbar werden, wird der Fortschritt der schriftlich dokumentierten Ziele jährlich nachverfolgt. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass wir an einem Strang ziehen und selbst in unterschiedlichen Werken dennoch die gleichen, abgestimmten Ziele verfolgen.
  • Interne Kommunikation: Um die Verpackungsstrategie verständlich und greifbar zu machen und diese in die Organisation zu tragen, wurde unter anderem ein interner Verpackungs‐Guide zur Verfügung gestellt. Er bietet Orientierung und Handlungssicherheit bei diversen Fragen zur Nachhaltigkeit.
  • Externe Kommunikation: Wissen teilen und Netzwerke stärken – das ist für uns ein zentraler Hebel, um gemeinsam mit Kund*innen und Partnern nachhaltige Lösungen voranzubringen. Eppendorf setzt dabei auf edukatives Marketing: Wir wollen mit wissenschaftlich fundierten Informationen aufklären, Mythen rund um Nachhaltigkeit hinterfragen und neue, wirkungsvollere Ansätze verständlich machen. Eine starke Marktposition kann gezielt genutzt werden, um durch passende Produktangebote Anreize für nachhaltigeres Verhalten zu schaffen.“
  • Partnerschaften: Im Bereich Nachhaltigkeit ist Zusammenarbeit ein echter Erfolgsfaktor. So wurde zum Beispiel auf Basis unserer Ressourcenstrategie gemeinsam mit einem erfahrenen Experten ein Verpackungskonzept für Consumables entwickelt, das unsere strategischen Ziele unterstützt. Darüber hinaus stehen wir im regelmäßigen Austausch mit Verbänden, in Fachrunden und mit Partnern aus der Branche – um voneinander zu lernen und gemeinsam weiterzukommen.

 

SMARTER Packaging Plan – SMARTER Consumables Plan

Kernelemente unserer Ressourcenstrategie sind die drei Prinzipien REDUCE, REPLACE und RETHINK. REDUCE steht für das Ziel, den Einsatz von Materialien und die Entstehung von Abfällen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu minimieren. Mit REPLACE setzen wir auf den schrittweisen Ersatz fossiler Rohstoffe durch erneuerbare oder recycelte Alternativen. RETHINK bedeutet für uns, Verpackungen und Produkte so zu gestalten, dass sie besser wiederverwendet oder recycelt werden können. Diese Prinzipien der Kreislaufwirtschaft spiegeln sich konkret in unserem SMARTER Packaging Plan und dem SMARTER Consumables Plan wider.

 

Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft

Die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft ist für uns nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine Chance für Innovation und Wachstum. Alle Unternehmen der Life‐Science‐Branche können durch kluge Strategien zur Kreislaufwirtschaft nicht nur ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit steigern, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zum globalen Umweltschutz leisten – Hand in Hand mit Anwendern.

Die Autorin 

Samira Bebermeier ist Mitarbeiterin beim LSR-Mitgliedsunternehmen Eppendorf SE.

Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe: Nachhaltigkeit in der IVD- und LSR-Branche - wie kann eine Branche, die sich der Gesundheit verschrieben hat, gleichzeitig auch ihren Fußabdruck senken?